Können intolerante Menschen wahrhaft glücklich sein?

20. Dezember 2015, In: Allgemein
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Mein Sohn isst anders. Er schafft es nicht, bestimmte Nahrungsmittel aufgrund ihrer Konsistenz in den Mund zu nehmen. Ich kenne das von mir selbst. Mein Sohn möchte von Herbst 2014 bis Sommer 2015 keine Dienstage mehr haben. Weil Dienstage sind Kochtage im Kindergarten und da müssen alle Kinder kosten, was sie gemeinsam zubereiten.

Mein Sohn wird von Woche zu Woche kreativer beim Versuch, dienstags den Kindergarten zu schwänzen. Also bitte ich seine Pädagogin um Erlaubnis, dass er auch dienstags seine eigene Jause mitnehmen darf – ich will ihm die Freude am Kindergarten nicht wegen des Essens vermasseln. Es wird zugestimmt, mit der Auflage, dass er aber auch dann nichts bekommt, sollte einmal etwas gekocht werden, das auch ihm schmecken würde. Soweit, so gut. ICH ATME. TIEF.

Die Pädagogin hat Bedenken bezüglich der Ausnahme. Wollen womöglich dann alle Kinder nicht essen, was gemeinsam gekocht wird? Ich verstehe die Pädagogin.
Das Schöne an der Sache: im Lauf der Zeit stellt sich heraus, dass die Kinder gar kein Problem damit haben, dass mein Sohn isst, was für ihn richtig ist.

Mein Sohn mag Dienstage noch immer nicht besonders. Es fühlt sich nicht so gut an, immer derjenige zu sein, der sein eigenes Süppchen kocht. Er geht allerdings jetzt ohne Widerstand in den Kindergarten und akzeptiert, was nicht zu ändern ist. (Würde mich jemand auffordern, Pikantwurst zu kosten – mir ginge es ähnlich wie meinem Sohn bei Apfelstrudel und Obstsalat. Da würde ich zur Sicherheit bis Mittwoch im Bett bleiben.)

Doch diesen Dienstag macht mein Sohn eine neue Erfahrung. Denn diesen Dienstag werden erstmals Schokoeier verteilt. An alle. Nur nicht an meinen Sohn. Obwohl er „auch ganz brav die stille Minute nach dem Essen eingehalten hat“. Er versteht die Welt nicht mehr. Er hat seine Jause aufgegessen, war leise – und wird ausgeschlossen. Von seiner Pädagogin.

Mein Sohn mag Schokolade nicht besonders gerne. Mein Sohn mag gerne dazugehören.

Mein Mamaherz schmerzt. Zum einen – und zum anderen bin ich traurig darüber, was er – und die anderen Kinder – lernen in diesem Zusammenhang.
Ich frag zur Sicherheit bei der Pädagogin nach. Ich erfahre nichts Neues. Ausser: Schokoeier gehören zum Apfelstrudel (interessante Regel) und wer den nicht kostet, kriegt nach der stillen Minute auch kein Ei.
Ich frage: Was soll er denn lernen daraus, dass er ausgeschlossen wird, wenn er nicht mag, was für andere kein Problem ist? Ja – dann muss er eben lernen, Dinge zu tun, die ihm widerstreben. (Noch eine interessante Regel). Aus ihrer Perspektive als Kindergärtnerin verstehe ich sie sogar.

Aber es geht nicht immer um unsere Perspektive.

Es geht doch um das große Ganze. Und das kann nur gelingen, wenn wir unser Herz aktivieren, denn unser Herz umfasst mehr als unser Verstand. Ob wir mit unseren Konsequenzen immer richtig liegen, sei dahingestellt. Unseren Herzen können wir vertrauen. Und über unsere Herzen sind wir sowieso alle verbunden.

Man stelle sich vor: 4 Jährige sind verpflichtet, Apfelstrudel zu essen, um dazu zu gehören, weil auf der Welt gibt’s nämlich sonst keine Probleme. Wie die Fähigkeit zu Toleranz zum Beispiel.

Ich kann mir gut vorstellen, dass die kleinen Kollegen meines Sohnes sich instinktiv sogar freuen würden, wenn er bei Gelegenheit mitessen würde, weil auch für seine Geschmacksnerven etwas dabei ist.

Kann es sein, dass wir Erwachsene den Kindern trotz aller guten Absichten beibringen, jemanden auszugrenzen?

Aus Angst, die Kontrolle über etwas zu verlieren?

Und dann zu sagen, dass sei eine Konsequenz? Ein Wort, dass sich sehr mächtig und kompliziert anhört in Kinderohren. Und Erwachsenen richterliches Handeln erlaubt.
Kinder sind Meister in der Akzeptanz von der Verschiedenartigkeit, die unser Leben ausmacht. Kinder lernen von Erwachsenen, dass man keine Schokoeier bekommt, wenn man seinen Bedürfnissen folgt, ohne jemand anderem dadurch zu schaden.

Wie soll sich eine tolerante Gesellschaft heranbilden, die jeder Hautfarbe und jeder sexuellen Orientierung und jeder sozialen Schicht gegenüber Respekt zollt, wenn Kinder schon lernen, dass es nicht in Ordnung ist, sich für anderes Essen zu entscheiden.

Sowas kann ausarten:
Max wollte vom 10 Meter Brett nicht runterspringen, weil er Höhenangst hat. Beim Wasserballspielen lassen wir ihn also auch nicht mitmachen. Und zum Eis essen darf nur mitkommen, wer auch im Wasser mit dabei war.

Der Weg von der Ausgrenzung in die Depression ist oft nicht lang. Wir wissen, wozu depressive Piloten fähig sind.

Moritz heiratet Julius. Die kriegen kein Hochzeitsgeschenk. Hätte er Julia geheiratet, hätte er feinstes Porzellan gekriegt.

Gegen wen richtet sich diese Härte?
Wenn wir zu unserem Herzen spüren, erkennen wir, dass nicht nur Max und Moritz und Julius einen Schmerz empfinden werden, sondern – und vor allem – wir selbst. Verbitterung ist das Wort der Wahl.

Darum hören wir endlich auf, zu unterscheiden in richtig oder falsch, sondern entscheiden wir uns, uns in Toleranz und Mitgefühl zu üben, Menschen mit ihren Eigenarten und Vorlieben und Abneigungen zu respektieren und zu akzeptieren, so wie Kinder das von Haus aus tun, und nicht dort Konsequenzen zu setzen, wo wir es grad für richtig halten.

Aber wo kämen wir denn da hin, wenn jeder sich nach seinem Herzen richten würde?
Ja, das wäre sehr spannend.

Und wahrscheinlich auch sehr schön.

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Doris Günther

Hier schreibe ich über meine Lieblingsthemen Körper, Geist und Seele und wie deren Balance gelingen kann, wenn uns der Alltag immer dazwischen kommt! Schön, dass du auf meiner Seite bist!

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