Fällt es dir auch schwer, dich zu entschuldigen?

26. Februar 2016, In: Allgemein
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„Wie gemein ist das denn! Jetzt verhält sie sich so unfair und kann sich nicht einmal entschuldigen! Rennt lieber türknallend aus dem Haus, anstatt einmal einzusehen, dass diesmal wirklich ich im Recht bin!“

Da ist es, das Wort: RECHT.

5 Buchstaben, die mich piesacken, aber wie! Wird wahrscheinlich eher ein unschöner Tag – für uns beide, mindestens!

Nun ist unser Leben so, dass jeder aus seiner Geschichte heraus handelt, nach bestem Wissen und Gewissen, auf seinen Erfahrungen aufbauend Entscheidungen trifft, Urteile fällt und in Recht und Unrecht unterteilt.
Auf seinem Recht zu beharren hat mehr Priorität, als dieses Täter-Opfer-Spiel aussen vor zu lassen und sich stattdessen einen schönen Tag zu machen. Lieber warten auf Entschuldigung. Auf beiden Seiten.

Ich selbst habe auch meine Schwierigkeiten mit dem Entschuldigen. Nicht zuletzt, weil ich ein Freund der bewussten Wortwahl bin und die Bedeutung der Worte für mich eine grosse Rolle spielt.

Mein Unterbewusstes sträubt sich vehement, an etwas Schuld zu sein, und so werden meine Lippen eher zu Stahl, als sich für dieses Wort zu verbiegen.
Ich bin der Ansicht, dass es keine Schuld gibt, sondern dass der Ursprung von unerfreulichen Situationen aus einer komplexen Verkettung in der Vergangenheit resultiert, die unser Verstand zu erfassen versucht. Doch an welchem Punkt beginnt die Vergangenheit? In diesem Zusammenhang auf der Basis des Verstandes ein Urteil zu fällen, übersteigt dessen Kompetenz.

Was ist mit dem Lehrer, der mich angebrüllt hat, worauf ich mir vor lauter Angst fast in die Hosen gemacht habe und schlechte Noten schrieb? Hatte der Lehrer Schuld am schlechten Zeugnis? Oder brüllte er etwa nur, weil seine Frau ihn betrogen hat und er nervlich am Ende war? Seine Frau war also Schuld! Oder gar der durchtrainierte Lover, der die Frau nach allen Regeln der Kunst verführte? Jetzt wird’s kompliziert.

Die Schuldzuweisung ist garantiert immer eine unfaire Sache. Es gibt einfach zu viele Verstrickungen und Geschichten auf dieser Welt. Viel fairer ist es, zu atmen, zu wissen, dass auch ich nicht unfehlbar bin (hab ich das jetzt tatsächlich zugegeben?) – und kurz „auszusteigen“ aus dieser verstrickten Situation.

„Welche Bedeutung wird das alles in 50 Jahren wohl noch haben?“

Mit dieser einfachen Frage relativiere ich die Wichtigkeit und Ernsthaftigkeit und entziehe der Verbitterung die Grundlage.

Vielleicht ist es auch für dich leichter, das Wort Entschuldigung durch „Das tut mir leid“ zu ersetzen, wenn’s schon mal blöd gelaufen ist. In der Gegenwart Leiden verursachen, das will ich wirklich nicht. Es tut mir leid, dass die Situation grad so ist, wie sie eben ist; und wenn ich etwas dazu beigetragen habe, dann finde ich das ja tatsächlich nicht schön.

Was wir beide davon haben?

Wir könnten morgens ohne Türknallen das Haus verlassen und mit Sicherheit schönere Situationen in unser Leben ziehen, freudvollere Begegnungen haben, die Verkäuferin anlächeln und respektvoll behandeln, damit sie beschwingt nach Hause gehen und ihre Kinder genauso respektvoll behandeln kann. Und wer weiss, vielleicht wird ihr Sohn ja einmal Lehrer….

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Doris Günther

Hier schreibe ich über meine Lieblingsthemen Körper, Geist und Seele und wie deren Balance gelingen kann, wenn uns der Alltag immer dazwischen kommt! Schön, dass du auf meiner Seite bist!

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