„Du bist genug.“

Lass diesen kleinen Satz mal von deinem Kopf in deine Körperzellen fliessen. Nimm dir 3 Sekunden dafür Zeit. Und fühle. …

Weihnachtszeit ist. Und es wird gefordert und gevöllert. Meinem Gefühl nach von unten, von oben, von der Seite und überhaupt rundherum.

Ich brauche dies, ich brauche das, ich will jenes und zwar sofort und ausserdem machen das alle so.

ABER ICH, ICH … WILL … NICHT … MEHR.

Was genau will ich eigentlich nicht mehr?

Ich will nicht das Gefühl haben, dass es nicht mehr darum geht, was ich geben will, sondern was ich geben soll.

Ich will nicht bis zur Erschöpfung in lauten Straßen zwischen uninspirierten Menschen herumlaufen, um Dinge zu besorgen, die die Welt nicht braucht. Weil ja Weihnachten kommt. Und weil das die Zeit des Gebens ist.

Um hier keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Ich gebe sehr gerne. Ich gebe meine Aufmerksamkeit, meine Wertschätzung, meine Liebe und auch sehr gerne materielle Geschenke.

Geht es nur mir so, oder haben Wunschlisten und Wichtelspiele den Charakter des Zauberhaften eingetauscht mit der Energie des Forderns und der Erwartung der garantierten Erfüllung.

Geben hat seinen Ursprung in der Freiwilligkeit. Aber das erfordert Achtsamkeit.

  • Wem will ich wirklich etwas geben?
  • Was und wieviel fühlt sich auch für mich gut an?
  • Will ich es genau jetzt tun, oder könnte es nicht im März genauso gut und erfreulich sein?
  • Und wen beschenke ich, weil es die Tradition verlangt?

Freiwilligkeit und Schenk- bzw. Konsumzwang widersprechen sich ja schon auf den ersten Blick.

Schenken und beschenkt werden ist das Wunderschönste auf der Welt. Es beginnt ja schon damit, dass wir unser Leben geschenkt bekommen haben und manchmal auch schon selber mehrfach Leben geschenkt haben.

Das ist doch das größte Geschenk überhaupt.

Dieses Gefühl, das pure Leben in sich zu spüren. So wie wir es gespürt haben, als wir ganz frisch auf der Welt waren. Wo wir im Reinen mit uns waren, wo wir uns noch nicht vergleichen konnten, wo wir nicht kritisiert und beurteilt wurden. Wo das Fliessen reiner Liebe unser natürlicher Zustand war. Wo uns der Kerzenschein entzückt hat, die schönen Melodien, die guten Düfte und die wärmende Umarmung unserer liebsten Menschen. Und hätten wir damals schon unser Gefühl in Worte fassen können, hätte es in etwa gelautet:

Ich bin genug. Ich bin geliebt. Ich liebe. Das ist so schön. Ich will, dass das nie wieder aufhört.

Und dann…. dann …. wurde uns mit den Jahren bewusst, wie schön es ist, für die Liebsten zu basteln und zu malen – unser ganzes kleines Kinderherz haben wir da reingesteckt. Für die, die wir liebten. Und wir konnten es oft schon gar nicht mehr aushalten, unser Geschenk herzugeben, um das Leuchten in den Augen der Beschenkten zu sehen.

Und genau die gleiche Freude hatten wir beim Auspacken unserer Packerl. Was hat sich das Christkind wohl für MICH einfallen lassen? Hat es meine Wünsche gelesen? Was davon hat es sich ausgesucht? Und das Tollste war doch, wenn sich das Christkind was für mich einfallen lassen hat, worüber ich mich total freute, was aber gar nicht auf dem Zettel stand. Wow. Das Christkind kannte mich. Das konnte in mich hineinsehen und wusste, womit ich Freude habe. So zauberhaft. Ich fühlte mich im wahrsten Sinne des Wortes gesehen.

Das ist für mich schenken: Ich sehe etwas in dir, das ich gerne beschenken möchte, weil ich glaube, dass es etwas in dir zum Leuchten bringt. Weil ich wahrnehme, dass es dir guttun würde oder Spaß bringt.

Schenken auf Basis des Gefühls „ich bin genug“ und „du bist genug.“

Weihnachten… die Zeit der Stille und der Fülle.
So schön.
Sei still. Atme.
Sei noch immer still. Atme weiter.
Du bist genug.
Spürst du die Fülle?

In diesem Sinne wünsche ich dir ein frohes, friedliches Weihnachtsfest.

Alles Liebe,

Doris